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Wespenalarm! Na und?

Wer kennt nicht das chinesische Sprichwort, das in China niemand kennt:

„Willst du einen Tag lang glücklich sein, betrinke dich!
Willst du eine Woche lang glücklich sein, schlachte ein Schwein!
Willst du ein Jahr lang glücklich sein, heirate!
Willst du ein Leben lang glücklich sein, werde Gärtner!“

Während das Gras in den Parks anmutet wie die Wüste Serengeti, strebt in diesem Jahrhundertsommer in gehegten Gärten jede Pflanze, jeder Strauch und auch das Unkraut in voller Pracht dem Leben zu.

Gehören Sie zu den Gartenbesitzern, die ihren Sommerurlaub mit Gartenarbeit verbrachten? Dann sind ihre Schätze wahrscheinlich nicht verbrannt.

Freilich treibt die liebevolle Pflege nicht nur die Wasserrechnung in die Höhe, auch die Insekten wandern aus trockenen Gebieten ab und halten Einzug in feuchtere Gebiete, auf der Suche nach Wasser und Nahrung.

Zu Beginn des Sommers konnte man die ein oder andere Wildbiene bei der Arbeit im Bienenhotel beobachten. Kaum war die Phase vorbei, fand man allmorgendlich den Gartenstuhl von kleinen Spinnen eingewebt. Seit August haben Gärtner es mit einer Heimsuchung der besonderen Art zu tun.

Sieht man Menschen beim nachmittäglichen Kaffee und Kuchen wild um sich schlagen, aufgeregt gestikulieren und hektisch von ihrem Platz aufspringen, dann weiß man: Die Wespen sind da.

 

Wespenalarm im Garte

Wespen lieben Süßes, aber nicht nur…

 

Es gibt kaum ein Insekt, das so unbeliebt ist, wie sie. Höchstens Hornissen laufen ihnen in Sachen schlechter PR den Rang ab. Und da der Mensch ablehnt, was er nicht kennt und gerne über das redet, worüber er nichts weiß, sind die nervigen Flieger in aller Munde. Oder hoffentlich nicht.

Wollen wir unseren Garten als Quelle inneren Glücks erhalten, wird es spätestens jetzt Zeit für einen Perspektivenwechsel. Okay, Wespen sind nervig. Sie fliegen so abgehackt in alle Richtungen und so mancher mag sich durch ihre Präsenz im Garten überfordert fühlen. Die Angst vor Stichen und die Mythen, die sich um die Vespula ranken, halten uns hartnäckig in einem Zustand der Angststarre.

Wir haben einen Selbstversuch gestartet und die Wespe zum nützlichen Helfer in Sachen Achtsamkeitstraining erkoren. Denn so, wie die Sache nun einmal liegt, bleiben uns die Wespen noch ein paar Wochen erhalten. Und dafür können wir als mitfühlende Wesen dankbar sein. Letztlich holen die Wespen uns immer wieder ins Hier und Jetzt. Sie lehren uns, in jedem Moment achtsam und präsent zu sein. Wir tun gut daran, uns den Löffel anzuschauen, den wir zum Mund führen und langsam und bedächtig zu trinken, wenn wir eine unschöne Konfrontation vermeiden wollen.

Spätestens im Oktober ist der Spuk ohnehin vorbei: Die Drohnen sterben und die Wespenköniginnen fallen in Winterstarre. Es stellt sich also im Grunde gar nicht die Frage, wer den längeren Atem hat.

Dennoch möchten wir mit ein paar Mythen aufräumen, die die lästigen Antagonisten unserer Seelenruhe umranken.

 

Wespen erfüllen keine Aufgabe

Falsch: Auch wenn Wespen keinen Honig produzieren, sind sie bereits viel früher als Bienen unterwegs und bestäuben im Frühling unsere Obstbäume. Außerdem vertilgen die Fleischfresser eine große Anzahl unserer Schädlinge.

Tipp: Üben wir uns in Dankbarkeit, dass die Wespen uns von Schädlingen befreien.

 

Wespen lieben Süßes, Fleisch und Parfum

Jein: Von den acht heimischen Wespenarten ernähren sich lediglich die Deutsche Wespe (vespula germanica) und die Gemeine Wespe (vespula vulgaris) neben Nektar von Obst und Fleisch.

Richtig ist, dass alle Insekten -wer mag es ihnen verdenken- von blumigen Düften angelockt werden. Wer sein Parfum daraufhin für eine Weile wechselt oder es lediglich mit dem eigenen Körperduft aufnimmt, dürfte keine Probleme haben, mit Wespen gut auszukommen.

Das gilt indes nicht für Menschen, die panische Angst vor Wespen haben. Denn vom Angstschweiß fühlen sie sich bedroht. Das unterscheidet sie nicht von anderen Tierarten, die wir sehr schätzen.

Tipp: Warum geben wir den Wespen nicht einen Vertrauensvorschuss und überprüfen unsere Angst? Vielleicht können wir dann die Erfahrung machen, dass sie nicht stechen werden. Uns jedenfalls hat in diesem Sommer noch keine Wespe gestochen.

 

Wespen im Kaffee

Wo Essen und Trinken sind, sind auch die Wespen nicht weit

 

Futterstationen als Ablenkung aufstellen

Richtig: Warum nicht ein Insekt unterstützen, das in der Hitze des Sommers Durst leidet und hungrig ist? Soviel Mitgefühl dürfen Sie mit allen Geschöpfen haben. Eine Schale mit Marmelade, aufgeschnittene reife Trauben und Apfelsaft nehmen sie gern. Am besten stellen Sie die Tellerchen einige Meter von ihrem Gartentisch entfernt auf. Wenn Sie allerdings davon ausgehen, dass sie dann keine Wespe mehr auf ihrer Gabel finden, werden Sie enttäuscht werden.

Tipp: Kombinieren Sie die Fütterungsaktion mit einer Abwehraktion. Stellen Sie einen Teller mit Zitronenscheiben und Nelken auf den Tisch. Die mögen sie nämlich nicht.

 

Wespen sind aggressiv

Die beste Geschichte, die uns untergekommen ist, ist folgende: Wespen sind deshalb gegen Ende des Sommers so aggressiv, weil die Königin dann den Wespenbau verschließt und die Drohnen nicht mehr nach Hause dürfen. Das macht sie garstig. Was erklärt warum sie bei der kleinsten Konfrontation stechen.

Falsch: Diese Geschichte zeigt, wie einfallsreich der Mensch argumentiert, wenn er seine eigenen Vorurteile zu verteidigen versucht. Wespen stechen, das stimmt. Und ein Stich ist schmerzhaft. Zugegeben. Doch im Grunde sind sie einfach wehrhaft. Sie stechen nämlich nur, wenn sie sich bedroht fühlen.

Tipp: Bleiben Sie ruhig, wenn Wespen Sie anfliegen. Wenn Sie sich nicht von Wespen bedroht fühlen, haben diese auch keinen Grund, in Abwehr zu gehen. (Das trifft übrigens auch auf die meisten Menschen zu.)

 

Anpusten hilft

Nein. Tun Sie das nicht, auch wenn es die natürliche Reaktion ist, etwas wegpusten zu wollen, das um ihre Nase fliegt. Das Kohlendioxyd im menschlichen Atem versetzt die Wespe in Alarmbereitschaft. Und in Gesichtsnähe wollen Sie doch sicher vermeiden, dass sich die Wespe angegriffen fühlt.

Tipp: Drehen Sie den Kopf zur Seite oder halten Sie den Moment, in dem die Wespe ihr Gesicht inspiziert, einfach eine Weile aus, falls Sie das schaffen. Sie fliegen fort, sobald sie merken, dass sie von einer Schönheit angezogen wurden, die keinen Nektar spendet.

 

Eine Zwiebel hilft gegen Wespenstiche

Richtig: Schneiden Sie eine Zwiebel auf und legen Sie sie auf die gestochene Stelle. Auch Wasser und ein Coolpack sind gute Mittel der Wahl. Ein kühlendes Gel aus dem Apothekenschränkchen tut ein übriges.

Saugen Sie bitte nicht das Gift aus! Was in Filmen wie Indiana Jones gut aussieht, ist im Fall von Wespenstichen strikt zu vermeiden. Denn dann befindet sich das Gift in Ihrem Rachenraum, gelangt über die Schleimhäute in Ihren Körper und dann wird es unter Umständen wirklich gefährlich.

Tipp: Ein Wespenstich ist unangenehm und schmerzt erst einmal. Doch jeder Moment ist vergänglich. Es ist fast so wie bei der Wurzelbehandlung auf dem Zahnarztstuhl. Die Zeit vergeht. Der Schmerz lässt nach. Das ist so sicher wie das Amen in der Kirche.

 

Wespenstiche können tödlich sein

Ja und nein: Im Allgemeinen ist ein Wespenstich nicht bedrohlich. Wespengift birgt allerdings das größte Potenzial für allergische Reaktionen. Richtig gefährlich kann es werden, wenn ein Wespenstich im Mund- und Rachenraum erfolgt. Schwillt die gestochene Körperstelle an, haben Sie Herzrasen, Schwindel oder Atemnot, rufen Sie sofort einen Notarzt.

Tipp: Sollten Sie wissen, dass Sie zu allergischen Reaktionen tendieren, empfiehlt es sich im eigenen Interesse ein Antihistamin im Hause zu haben.

Für alle anderen sei das homöopathische Medikament „Apis“ empfohlen, von dem gestochene Kinder ab 6 Jahren und Erwachsene im Verlauf der folgenden 12 Stunden halbstündlich 6 Kügelchen auf der Zunge zergehen lassen sollten.

 

[shariff]


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